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Raunächte in Österreich – Bräuche, Perchtenläufe und wo du die geheimnisvollste Zeit des Jahres erlebst

Raunächte in Österreich – Bräuche, Perchtenläufe und wo du die geheimnisvollste Zeit des Jahres erlebst

Zwischen Weihnachten und Dreikönig steht die Zeit still — so erzählt es der Alpenraum seit Jahrhunderten: In den Raunächten (auch Rauhnächte geschrieben), den zwölf Nächten vom 24. Dezember bis zum 5. Jänner, ist die Grenze zur „anderen Welt“ dünn. Dann wird geräuchert und orakelt, dann ziehen Perchten mit geschnitzten Masken und Glocken durch die Dörfer, […]

Zwischen Weihnachten und Dreikönig steht die Zeit still — so erzählt es der Alpenraum seit Jahrhunderten: In den Raunächten (auch Rauhnächte geschrieben), den zwölf Nächten vom 24. Dezember bis zum 5. Jänner, ist die Grenze zur „anderen Welt“ dünn. Dann wird geräuchert und orakelt, dann ziehen Perchten mit geschnitzten Masken und Glocken durch die Dörfer, um den Winter auszutreiben, und dann laufen in Ebensee die Glöckler mit ihren leuchtenden Lichterkappen durch die Nacht. Was nach grauer Vorzeit klingt, ist in Österreich quicklebendig — und einer der stimmungsvollsten Anlässe für einen Winterausflug überhaupt. Hier erfährst du, was die Raunächte bedeuten, welche Bräuche wo gepflegt werden, worin sich Percht und Krampus unterscheiden — und wo du zwischen Salzkammergut und Pongau selbst dabei sein kannst.

📍 Das findest du in diesem Guide

Was die Raunächte sind — die zwölf Nächte und ihre Bedeutung
Die wichtigsten Termine — von der Thomasnacht bis zum Glöcklerlauf
Die Bräuche erklärt — Räuchern, Orakel, Perchten (und der Unterschied zum Krampus)
Wo du sie erlebst — Perchtenläufe, Glöckler & Tresterer von Salzburg bis ins Salzkammergut
Raunächte daheim — die kleine Räucher-Anleitung für die eigene Stube

Was sind die Raunächte?

Die Raunächte sind die zwölf Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 5. Jänner — die „Zeit zwischen den Jahren“, die schon im Namen steckt: Zwölf Mondmonate sind rund elf Tage kürzer als das Sonnenjahr, und diese „überzähligen“ Tage galten als Zeit außerhalb der Ordnung. Der Name kommt vermutlich vom „Rauch“ des Räucherns — oder vom mittelhochdeutschen „rûch“ (haarig, wild), das in den Fell-Gestalten der Perchten weiterlebt. In diesen Nächten, so der Volksglaube, ziehen die Wilde Jagd und die Seelen der Ahnen durchs Land, Tiere sprechen im Stall, und was man träumt, deutet aufs kommende Jahr. Daraus entstand ein ganzes Bündel an Bräuchen, die in Österreich bis heute gelebt werden — mancherorts folkloristisch, vielerorts erstaunlich ernsthaft.

Die wichtigsten Termine im Überblick

Nacht / AnlassDatumBedeutung & Brauch
Thomasnacht21. DezemberLängste Nacht des Jahres — mancherorts der eigentliche Raunacht-Auftakt, Orakelnacht
Christnacht (1. Raunacht)24. DezemberErste der vier „großen“ Raunächte, traditionell wird Haus und Hof geräuchert
Silvesternacht31. DezemberZweite große Raunacht — Lärmbräuche, Bleigießen (heute Wachsgießen), Jahresorakel
Perchtennacht5. JännerDie mächtigste Nacht: Perchtenläufe, Glöcklerlauf in Ebensee, letztes Räuchern
Dreikönig6. JännerEnde der Raunächte — Sternsinger, Haussegen C+M+B

Die Bräuche erklärt

Räuchern — der Brauch, der den Nächten den Namen gab

In den Raunächten — klassisch am 24. Dezember, zu Silvester und am 5. Jänner — zieht die Familie mit der Räucherpfanne durch Haus und Stall: Auf glühender Kohle verglimmen Weihrauch und getrocknete Kräuter, der Rauch soll reinigen, schützen und Segen bringen. Der Brauch ist älter als jede schriftliche Quelle und heute wieder erstaunlich populär — vom Bauernhof bis zur Stadtwohnung. Wer es selbst probieren will, findet weiter unten die kleine Anleitung.

Perchten — die wilden Gestalten der Raunächte

Die Perchten sind die bekanntesten Botschafter der Raunächte: maskierte Gestalten, die mit Glocken, Schellen und ohrenbetäubendem Lärm den Winter und die bösen Geister austreiben. Dabei gibt es zwei Welten: die furchteinflößenden Schiachperchten mit geschnitzten Dämonenmasken — und die prächtigen Schönperchten, die mit meterhohen, spiegelbesetzten Kopfaufbauten Glück und Fruchtbarkeit fürs neue Jahr bringen. Ein Perchtenlauf ist eines der intensivsten Brauchtums-Erlebnisse des Alpenraums: Feuer, Trommeln, Glockengeläut und Masken, an denen Schnitzer monatelang gearbeitet haben.

🔥 Percht oder Krampus — der Unterschied:
Krampus: Begleiter des Nikolaus, unterwegs Anfang Dezember (rund um den 5./6.12.), bestraft die Schlimmen
Percht: Gestalt der Raunächte, unterwegs von Ende Dezember bis Dreikönig, treibt Winter und Geister aus
Dass beide ähnlich schaurig aussehen und viele Passen beides laufen, verwischt die Grenze — dem Brauchtum nach sind es aber zwei verschiedene Figuren mit verschiedenem Job.

Orakel & Verbote — was man (angeblich) darf und lässt

Die Raunächte waren immer auch Orakelzeit: Jede der zwölf Nächte steht für einen Monat des neuen Jahres, Träume werden notiert und gedeutet, zu Silvester wird gegossen (heute aus Wachs statt Blei) und in der Thomasnacht in die Zukunft gefragt. Dazu kommen die berühmten Verbote: keine Wäsche waschen und aufhängen (die Wilde Jagd könnte sich darin verfangen — oder das Leintuch, so die düstere Deutung, zum Totenhemd werden), keine Unordnung, kein Streit über die Jahresgrenze. Ob man daran glaubt oder nicht: Als Einladung zum Innehalten zwischen den Jahren funktionieren die zwölf Nächte auch ganz ohne Aberglauben.

Wo du die Raunächte live erlebst

1. Glöcklerlauf Ebensee (Salzkammergut, OÖ) — 5. Jänner

Der schönste Kontrast zu allen Schiach-Gestalten: In Ebensee am Traunsee laufen am Abend des 5. Jänner die Glöckler — weiß gekleidete Gestalten mit bis zu 15 Kilo schweren, von innen beleuchteten Lichterkappen, kunstvollen Gebilden aus Holzrahmen und durchscheinendem Papier. In Gruppen („Passen“) ziehen sie mit Glockengeläut in Laufschritt-Formationen durch den Ort — ein leuchtendes, fast meditatives Spektakel, das in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Der Glöcklerlauf ist familientauglich (kein Erschrecken, nur Staunen) und der würdigste Abschluss der Raunächte, den Österreich zu bieten hat.

2. Pongauer Perchtenlauf (Salzburger Land) — der große Klassiker

Der Pongauer Perchtenlauf ist das Hochamt des Perchtenbrauchs — mit Schön- und Schiachperchten, Habergeiß, Bären und hunderten Mitwirkenden. Das Besondere: Er findet nur alle vier Jahre pro Ort statt und rotiert traditionell zwischen Altenmarkt, Bad Gastein, Bischofshofen und St. Johann — was jeden Lauf zum Ereignis macht, auf das ein Ort Jahre hinarbeitet. Rund um den 6. Jänner ziehen die Passen dann durch den jeweiligen Ort; die Gasteiner Perchten zählen ebenfalls zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Welcher Ort 2027 an der Reihe ist und alle Termine der Saison findest du in unserem Veranstaltungskalender.

3. Tresterer & Pinzgauer Bräuche (Salzburger Land)

Im Pinzgau — rund um Zell am See, Stuhlfelden und Unken — tanzen in den Raunächten die Tresterer: festlich kostümierte Gestalten mit federgeschmückten Hüten, deren stampfender Sprungtanz Segen für Haus und Hof bringen soll. Der Brauch ist leiser und tänzerischer als die großen Läufe, dafür näher dran am ursprünglichen Raunacht-Gedanken — und ein Geheimtipp für alle, denen die Mega-Perchtenläufe zu viel Rummel sind.

4. Perchten- & Krampusläufe in deiner Region

Von Osttirol (wo die Klaubaufe ihr eigenes, raues Kapitel schreiben) über die steirischen Läufe bis zu den Vorstadtläufen rund um Wien: Zwischen Ende November und Dreikönig vergeht kaum ein Wochenende ohne Lauf — die frühen sind meist Krampus-, die späten Perchtenläufe. Weil Termine und Routen jedes Jahr neu festgelegt werden, sammeln wir sie laufend im Veranstaltungskalender. Praktisch fürs Drumherum: Viele Läufe lassen sich mit einem Advent-Ausflug verbinden — erst Markt, dann Maskenspektakel.

🌿 Raunächte daheim: die kleine Räucher-Anleitung

1. Ausstattung: feuerfeste Schale mit Sand, Räucherkohle oder ein Stövchen mit Sieb, dazu Weihrauch und Kräuter (Salbei, Beifuß, Wacholder, Fichtenharz — gibt’s als fertige Raunacht-Mischungen)
2. Anzünden: Kohle glühen lassen (funkt kurz — Fenster erst danach schließen), Räucherwerk auflegen, nicht verbrennen lassen
3. Der Rundgang: Mit der Schale langsam durch alle Räume gehen — traditionell im Uhrzeigersinn, in jede Ecke
4. Lüften: Danach alle Fenster weit auf — der Rauch nimmt symbolisch das Alte mit hinaus
5. Termine: Klassisch am 24.12., 31.12. und 5.1. — für den Anfang reicht eine Nacht völlig

Häufige Fragen zu den Raunächten

Wann sind die Raunächte 2026/27?

Die klassischen zwölf Raunächte laufen von der Christnacht (24. Dezember 2026) bis zur Perchtennacht (5. Jänner 2027); Dreikönig am 6. Jänner beendet sie. Mancherorts zählt schon die Thomasnacht am 21. Dezember als Auftakt. Die vier „großen“ Raunächte sind der 21.12., 24.12., 31.12. und 5.1.

Schreibt man Raunächte oder Rauhnächte?

Beides ist verbreitet: „Raunächte“ ist die heute übliche Schreibweise, „Rauhnächte“ die ältere Form — vom mittelhochdeutschen „rûch“ für rau/haarig, das an die Fell-Gestalten der Perchten erinnert. Auch die Herleitung vom „Rauch“ des Räucherns wird vertreten; vermutlich haben sich beide Wurzeln vermischt.

Was ist der Unterschied zwischen Perchtenlauf und Krampuslauf?

Der Krampus begleitet den Nikolaus und läuft Anfang Dezember; die Percht gehört in die Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig und treibt den Winter aus. Krampusläufe finden daher vor allem rund um den 5./6. Dezember statt, echte Perchtenläufe von Ende Dezember bis in den Jänner — auch wenn viele moderne „Shows“ beides mischen.

Sind Perchtenläufe für Kinder geeignet?

Kommt auf Lauf und Kind an: Die Masken, das Glockengeläut und die Nähe der Läufer sind intensiv — für Kinder unter etwa 6 bis 8 Jahren oft zu viel. Familientauglich sind der Glöcklerlauf Ebensee (leuchtend statt schaurig) und die hinteren Zuschauerreihen der großen Läufe. Faustregel: Abstand halten können beruhigt — die erste Reihe ist für Mutige.

Darf man in den Raunächten wirklich keine Wäsche waschen?

Das ist der bekannteste Raunacht-Volksglaube: Zwischen den Jahren soll keine (vor allem keine weiße) Wäsche aufgehängt werden — die Wilde Jagd könnte sich darin verfangen. Ein Verbot ist es natürlich nicht, sondern gelebte Tradition mit Augenzwinkern: Viele Haushalte im Alpenraum halten sich bis heute daran, „weil man’s halt so macht — und schaden tut’s nicht“.

💚 Winterausflug fertig planen: Verbinde Perchtenlauf oder Glöcklerlauf mit einem Ziel aus unserer Themenwelt Advent & Weihnachten oder wärm dich danach in einer Therme auf — und alle Lauf-Termine deiner Region findest du im Veranstaltungskalender.


Ob mit der Räucherschale durch die eigene Wohnung oder im Fackelschein eines Pongauer Perchtenlaufs: Die Raunächte sind Österreichs geheimnisvollste Einladung, das alte Jahr bewusst zu verabschieden. Wir halten diesen Guide jährlich aktuell und tragen die Lauf-Termine jeder Saison nach — wenn dein Lieblingsbrauch fehlt, schreib uns. Und dann: Fenster auf, Rauch hinaus, gutes neues Jahr.

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