by | Juli 18, 2026
Auf einem Plateau über einem steil abfallenden Fels rund fünf Kilometer westlich von Bayreuth liegt Schloss Fantaisie – eines der charmantesten Schlossensembles Oberfrankens. Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth ließ 1761 mit dem Bau einer neuen Sommerresidenz in Donndorf beginnen, nachdem ihn Eindrücke einer Italienreise inspiriert hatten. Den Abschluss der Bauarbeiten erlebte er nicht mehr: Friedrich starb 1763. Seine einzige Tochter, Herzogin Elisabeth Friederike Sophie von Württemberg, erbte das Anwesen, vollendete das Schloss nach eigenen Vorstellungen und gab ihm den poetischen Namen »Fantaisie«. Sie ließ bis 1780 einen spätbarocken Garten anlegen; aus dieser Epoche stammen der wohl von Carl Philipp von Gontard entworfene Pavillon, der Neptunbrunnen mit der Figurengruppe der Gebrüder Räntz, die Stützmauern und Treppenanlagen sowie zwei originelle Sandsteinbänke.
1793 erwarb Herzogin Friederike Dorothee Sophie von Württemberg die Anlage und gestaltete sie im Stil des sentimentalen Landschaftsgartens um. Ausgehend von den natürlichen Sandsteinfelsen entstanden reizvolle Staffagebauten: eine Katakombe, die Säule der Eintracht und verschiedene Ruhesitze. Herzog Alexander von Württemberg führte Fantaisie zwischen 1839 und 1881 zu einem neuen Höhepunkt: Er nutzte das Schloss als Sommerresidenz, ließ es 1850/1852 umbauen und bereicherte den nördlichen Gartenbereich mit Teppichbeeten, Treillagen und Skulpturen. Südlich des Schlosses legte er einen Pleasureground mit Rasenflächen und Blumenbeeten an und ließ den Schlosshang für den Weinanbau terrassieren. Die nicht mehr erhaltenen Heckenräume östlich des Schlosses sowie der ehemalige Nutzgarten wurden zwischen 1993 und 1996 rekonstruiert.
Seit Juli 2000 beherbergt das Schloss das erste deutsche Gartenkunst-Museum. Ausstellungsstücke, Inszenierungen und Kurzfilme stellen die Geschichte der Gartenkunst vom 17. bis ins 19. Jahrhundert lebendig dar. Besonders sehenswert ist die originalgetreue Nachbildung des berühmten Intarsienkabinetts der Gebrüder Spindler – ein Hauptwerk des Bayreuther Rokoko, das 1765 fertiggestellt und 1791 verkauft wurde. Ergänzt wird die Dauerausstellung durch den klassizistisch gestalteten Weißen Saal mit seinem Stuckdekor und den Wandreliefs mit Götterdarstellungen. Der Schlosspark ist ganzjährig frei zugänglich; von Mai bis Oktober erfreuen stündliche Wasserspiele die Besucherinnen und Besucher. Das Schloss gehört zum Verbund »Die Welt der Wilhelmine« der Bayerischen Schlösserverwaltung.
by | Juli 18, 2026
Hoch über Hohenschwangau ließ König Ludwig II. ab 1869 Schloss Neuschwanstein errichten. Die Architektur verbindet romantische Vorstellungen einer mittelalterlichen Burg mit technisch und künstlerisch aufwendiger Ausstattung des 19. Jahrhunderts. Zu den bekannten Innenräumen gehören Thronsaal und Sängersaal. Eine Innenbesichtigung ist ausschließlich im Rahmen einer Führung mit festgelegter Eintrittszeit möglich.
by | Juli 18, 2026
Schloss Johannisburg gehört zu den bedeutendsten Schlossbauten der deutschen Spätrenaissance und prägt als markantes Wahrzeichen die Silhouette Aschaffenburgs am rechten Mainufer. Die gewaltige Vierflügelanlage wurde zwischen 1605 und 1614 unter Kurerzbischof Johann Schweikard von Kronberg errichtet; verantwortlicher Baumeister war Georg Ridinger aus Straßburg. Von der mittelalterlichen Vorgängerburg übernahm Ridinger lediglich den Bergfried als fünften Turm. Der symmetrische Baukomplex aus rotem Mainsandstein gliedert sich um einen quadratischen Innenhof, die Ecken werden von vier Türmen betont. Fenster, Tore und Türen der Außen- und Innenhoffassaden zeigen reiche Bauornamentik; besonders prunkvoll sind die Dreiecksgiebel. Das Portal zur Schlosskapelle trägt Skulpturen von Hans Juncker.
Ende des 18. Jahrhunderts ließ Kurerzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal das Schlossinnere nach Plänen des Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen klassizistisch umgestalten. Nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs musste zunächst das Äußere wiederhergestellt werden, bevor 1964 die ersten Schauräume mit den geretteten Ausstattungsstücken neu eröffnet werden konnten. Seit 2016 wird das Schloss in mehreren Abschnitten saniert; 2023 konnte der Mainflügel mit der Staatsgalerie Aschaffenburg, der Paramentenkammer und den Fürstlichen Wohnräumen wiedereröffnet werden.
Zu besichtigen sind die Gemäldegalerie als Zweigmuseum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit Schwerpunkt auf Lucas Cranach d. Ä. und seiner Schule, niederländische und flämische Landschaftsmalerei sowie deutsche Genrebilder. Die Schlosskapelle beherbergt den 1609–1613 geschaffenen Juncker-Altar mit 31 Alabasterskulpturen und fast 150 Relieffiguren; eine moderne Licht-Ton-Installation erschließt seine inhaltlichen Zusammenhänge. Darüber hinaus sind die Paramentenkammer mit Ornaten aus dem ehemaligen Mainzer Domschatz sowie die mit klassizistischem Mobiliar ausgestatteten Fürstlichen Wohnräume zugänglich. Besondere Aufmerksamkeit verdient die weltweit größte Korkmodellsammlung antiker Architekturen: 45 zwischen 1792 und 1854 entstandene, detailgetreue Modelle – darunter Kolosseum, Pantheon und Triumphbögen – laden zu einem Spaziergang durch das antike Rom ein.
Zur Schloss- und Gartenverwaltung Aschaffenburg gehören neben Schloss Johannisburg auch das Pompejanum, eine Nachbildung eines römischen Wohnhauses aus dem 19. Jahrhundert, sowie Schloss und Park Schönbusch. Das klassizistische Gartenschloss Schönbusch entstand 1778 bis 1782 nach Plänen von Emanuel Joseph von Herigoyen und ist über eine Blickachse mit Schloss Johannisburg verbunden. Friedrich Carl von Erthal ließ den ehemaligen Wildpark als einen der ersten Landschaftsgärten im englischen Stil in Süddeutschland anlegen; seine klassische Form erhielt der Park durch den Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig Sckell. Im Park verstreut liegen Staffagearchitekturen wie Rotes Brücke, Philosophenhaus, Freundschaftstempel und Dörfchen. Ein Besucherzentrum im Küchenbau informiert über die Geschichte des Landschaftsgartens.
Der Park Schönbusch ist jederzeit frei zugänglich. Das Schloss Schönbusch ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten vorübergehend nicht besichtigbar; aktuelle Informationen sind auf www.schloesser-aschaffenburg.de abrufbar. Das Führungsnetz der VHS Aschaffenburg bietet Gruppenführungen in verschiedenen Sprachen sowie offene Familienführungen an allen drei Standorten an.
by | Juli 18, 2026
Schloss Seehof bei Memmelsdorf, nordöstlich von Bamberg gelegen, gehört zu den bedeutendsten Barockresidenzanlagen Frankens. Ursprünglich geht die Anlage auf ein Jagd- und Landhaus aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert zurück. Den eigentlichen Schlossbau veranlasste Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg: Ab 1687 entstand nach Plänen des aus Oberitalien stammenden Architekten Antonio Petrini eine repräsentative Vierflügelanlage mit vier markanten Ecktürmen, die sich an der Gestaltung des Aschaffenburger Schlosses orientierte. Wegen ihres Erbauers trägt die Anlage auch den Namen Marquardsburg.
Unter den Nachfolgern des Fürstbischofs wurde der Bau bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vollendet und teilweise umgestaltet. Einen besonders prägnanten Akzent setzte Fürstbischof Johann Philipp Anton von Franckenstein, der 1751 den Weißen Saal im Westflügel neu ausstatten ließ und dazu den kurmainzischen Hofmaler Giuseppe Appiani nach Bamberg berief. Appiani, dem auch die Deckenfresken der nahen Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zugeschrieben werden, schuf ein meisterhaftes Deckengemälde mit Darstellungen eines Götterhimmels, der Allegorien der Jagd und weiterer fürstlicher Vergnügungen zeigt.
Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1757–1779) ließ die große Kaskadenanlage mit einem aufwändigen Figurenprogramm des Bildhauers Ferdinand Tietz errichten. Tietz, ein gebürtiger Böhme, hatte seit 1748 als Hofbildhauer für die Fürstbischöfe von Bamberg und Würzburg gewirkt und für den Schlosspark ursprünglich rund 400 Sandsteinfiguren geschaffen. Während der Säkularisation und in den folgenden Jahrhunderten gingen die meisten Kunstwerke verloren; die Wasserleitung wurde zerstört.
1975 erwarb der Freistaat Bayern Schloss und Park. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen – allein zwischen 2020 und 2024 investierte der Freistaat 12,5 Millionen Euro in Fassade, Dach, Parkmauer und Parkfiguren – strahlt die Anlage heute in restaurierter Pracht. Für Besucher zugänglich sind neun Schauräume des fürstbischöflichen Appartements, darunter der Weiße Saal, ein Audienzzimmer und weitere Prunkräume. Besichtigungen sind ausschließlich im Rahmen von Führungen möglich, die stündlich ab 9:15 Uhr stattfinden (letzte Führung 17:15 Uhr).
Der weitläufige Schlosspark auf rund 21 Hektar ist ganzjährig frei zugänglich. Seine Gartengestaltung aus dem 18. Jahrhundert wurde teilweise wiederhergestellt: Die restaurierte Kaskadenanlage mit Wasserspielen, das Orangerieparterre mit Zitruspflanzen sowie zwei monumentale Figurengruppen zeugen von der einstigen Pracht des Rokokogartens. Von Mai bis Oktober sind die Wasserspiele täglich zur vollen Stunde von 10 bis 17 Uhr in Betrieb. In der westlichen Orangerie, dem ehemaligen Winterquartier der südländischen Pflanzen, befindet sich heute das Ferdinand-Tietz-Museum mit Originalskulpturen des Gartenbildhauers sowie ein Ausflugscafé. Das Schloss wird teilweise vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege genutzt.
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Schloss Dachau erhebt sich auf dem Schlossberg über der oberbayerischen Kreisstadt Dachau, rund 20 Kilometer nordwestlich von München. Die Geschichte der Anlage reicht bis in die Hochmittelalterliche Burgzeit der Grafen von Dachau zurück, wobei die erste Erwähnung um 1100 datiert wird. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Burg abgerissen und unter den Wittelsbachern an der heutigen Stelle neu errichtet.
Ab 1546 ließen die Herzöge Wilhelm IV. und Albrecht V. die Anlage durch die Münchner Hofbaumeister Heinrich Schöttl und Wilhelm Egkl zu einer mächtigen Vierflügelanlage ausbauen. Dachau wurde damit zum bevorzugten Sommerlandsitz des Münchner Hofes. Aus dieser Bauphase stammt das kunsthandwerkliche Glanzstück des Schlosses: die Renaissance-Holzkassettendecke im Festsaal, geschaffen von Kistler Hans Wisreutter zwischen 1564 und 1566. In die reich gestaltete Prunkdecke sind die Wappen der Wittelsbacher Bauherren und ihrer Gemahlinnen eingelassen. Sie gilt als eine der bedeutendsten Schöpfungen ihrer Art in ganz Süddeutschland.
Unter Kurfürst Max Emanuel, dessen Vorbild der prachtvolle Hof Ludwigs XIV. war, erfuhr das Schloss eine erneute Aufwertung. Von 1715 bis 1717 ließ er den Saaltrakt und das repräsentative Treppenhaus durch seinen Hofbaumeister Joseph Effner im Barockstil umgestalten. Parallel dazu erhielt der Hofgarten seine barocke Gestalt mit Broderien aus geschnittenem Buchsbaum.
Die napoleonischen Kriege des frühen 19. Jahrhunderts hinterließen schwere Schäden an der gesamten Anlage. König Max I. Joseph ließ daraufhin drei der vier Schlossflügel abreißen – eine aufwendige Restaurierung wäre zu kostspielig gewesen. Erhalten blieb einzig der Südwestflügel, der frühere Tanzsaaltrakt mit dem barockisierten Festsaal. Der Hofgärtenintendant Friedrich Ludwig von Sckell, Schöpfer des Englischen Gartens in München, gestaltete den Garten ab 1802 neu und ersetzte die barocken Parterres durch Obsthaine und einen Englischen Landschaftsgarten.
Ab 1908 nutzte die Dachauer Künstlervereinigung das Schloss für Ausstellungen. Heute steht die Anlage unter der Verwaltung der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Besucher können den Festsaal mit seiner einzigartigen Kassettendecke besichtigen. Im Hofgarten laden alte Gartenmauern, ein nahezu 280 Jahre alter Lindenlaubengang, ein traditioneller Obstgarten sowie ein Bienengarten zum Verweilen ein. Regelmäßig finden im Renaissancesaal die renommierten Dachauer Schlosskonzerte statt. Ein Café-Restaurant mit großer Terrasse bietet bei passendem Wetter den Panoramablick über Dachau, das Dachauer Moos und bis zu den Alpen.