by | Juli 20, 2026
Mitten im Starnberger See, nur 170 Meter vom Westufer entfernt, liegt die Roseninsel – die einzige Insel des Sees und ein Ort außergewöhnlicher Geschichte. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Landschaftspark Feldafing bildet sie ein Gesamtkunstwerk des Historismus von europäischem Rang, das unter dem Schutz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen steht.
König Maximilian II. von Bayern ließ die damals noch Wörth genannte Fischerinsel ab 1850 grundlegend umgestalten. Der Architekt Franz Jacob Kreuter und der preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné schufen im königlichen Auftrag ein harmonisches Ensemble: eine Gartenanlage mit ovalem Rosarium im Zentrum sowie das sogenannte Casino, ein italianisierendes Landhaus im pompejanischen Stil, errichtet zwischen 1851 und 1853. Die reiche Innenausstattung mit Wandmalereien und antikem Dekor macht das Gebäude zu einem bedeutenden Zeugnis der Antikenverehrung des 19. Jahrhunderts.
Nach dem frühen Tod Maximilians II. im Jahr 1864 übernahm sein Sohn Ludwig II. die Insel als stillen Rückzugsort. Hier empfing er in jungen Jahren besondere Gäste, darunter Zarin Maria Alexandrowna, den Komponisten Richard Wagner und Kaiserin Elisabeth von Österreich. Letztere, die einen Großteil ihrer Jugend im nahe gelegenen Schloss Possenhofen verbracht hatte, war eng mit dem Ort verbunden und traf sich regelmäßig mit Ludwig auf der Insel.
Der gegenüberliegende Park Feldafing, von Hofgärtendirektor Carl von Effner angelegt, ergänzt das Ensemble mit herrlichen Ausblicken auf den See und die Alpenkette. Das geplante Sommerschloss auf einer Anhöhe im Park konnte wegen des frühen Todes Maximilians II. nicht mehr verwirklicht werden.
Nach Jahrzehnten des Verfalls erwarb der Freistaat Bayern 1970 die Roseninsel. Ab 1997 wurden Gartenanlage, Rosengarten und Casino nach Originalplänen aufwendig restauriert und 2003 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither dient der Gartensaal auch als standesamtlicher Trauungsort.
Eine besondere historische Dimension verleihen der Insel die prähistorischen Pfahlbauten: Die Überreste der Siedlungen auf dem Seegrund gehören zur UNESCO-Welterbestätte „Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen“, in die sie 2011 aufgenommen wurden. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung bis ins 5. Jahrtausend vor Christus.
Die Insel, heute unter Denkmal- und Landschaftsschutz, ist von Mai bis Mitte Oktober per Fähre vom Glockensteg im Lenné-Park erreichbar. Das Casino kann ausschließlich mit Führung besichtigt werden. Im Jahr 2026 finden Sanierungsarbeiten an der Fassade statt; der Führungsbetrieb läuft dennoch weiter, kann jedoch zu Beeinträchtigungen führen. Hunde und Fahrräder sind auf der Roseninsel nicht gestattet.
by | Juli 20, 2026
Das Königshaus am Schachen zählt zu den ungewöhnlichsten Bauten König Ludwigs II. von Bayern. Seit 1869 plante der König im Werdenfelser Land ein Berghaus zu errichten, und seine Wahl fiel auf den Schachen am Fuß des Wettersteinmassivs in 1.866 Metern Höhe – eine der grandiosesten Hochgebirgslagen der bayerischen Alpen. Anders als bei seinem Vater Max II. war das Gebäude nicht für die Jagd bestimmt, die Ludwig II. strikt ablehnte. Vielmehr sollte es dem König dazu dienen, das Hochgebirge mit allem Komfort genießen zu können.
Der Bau entstand zwischen 1869 und 1872 nach Plänen des Architekten Georg von Dollmann als zweigeschossiger Holzständerbau im Typus des sogenannten Schweizerhauses – eine Bauform, die im 19. Jahrhundert bei Adel und wohlhabenden Bürgern als Ferienhaus beliebt war. Mit hölzernen Fensterläden und kunstgesägten Balkongeländern wirkt das Königshaus von außen bescheiden. Die Raumaufteilung mit einem zentralen Salon orientiert sich am Grundriss großbürgerlicher französischer Villen dieser Zeit. Im Erdgeschoss befinden sich Speisezimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Kapelle – allesamt zirbenholzgetäfelt und komfortabel ausgestattet.
Den eigentlichen Höhepunkt des Hauses bildet der Türkische Saal im Obergeschoss, der die gesamte Etage einnimmt. Dieser Prunkraum ist einem historischen Saal im Palast von Eyüp nachempfunden, den Sultan Selim III. Ende des 18. Jahrhunderts hatte einrichten lassen. Eine Abbildung des Saals hatte Ludwig II., der sich ausgiebig mit den Kulturen des Orients beschäftigte, in einer englischen Publikation von 1840 gefunden. Vergoldete, reich ornamentierte Wände, ein zentraler Springbrunnen, aufwendig bestickte Hocker und Divane, kostbare Teppiche sowie Buntglasfenster fügen sich zu einem eindrucksvollen Abbild eines orientalischen Prunksaals. Um den Raumeindruck zu vervollkommnen, ließ Ludwig II. Diener in orientalischer Kleidung im Saal platzieren, die Wasserpfeife rauchen und Tee trinken mussten – eine Inszenierung aus der Tradition der sogenannten Lebenden Bilder.
Den Geburts- und Namenstag am 25. August feierte Ludwig II. hier alljährlich in der Abgeschiedenheit der Bergwelt. Die Lage mitten im Hochgebirge macht den Türkischen Saal zu einem einzigartigen Zeugnis der romantisierenden Orientbegeisterung des 19. Jahrhunderts. Unterhalb des Königshauses befindet sich ein botanischer Alpengarten mit rund 1.000 Pflanzenarten aus Bergregionen der ganzen Welt, der als Außenstelle des Botanischen Gartens München-Nymphenburg geführt wird.
Seit 2025 gehört das Königshaus am Schachen gemeinsam mit Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee zum UNESCO-Welterbe. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Verwaltet wird es von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Besichtigungen sind ausschließlich im Rahmen von Führungen möglich. Das Königshaus ist nur zu Fuß über mehrstündige Wanderwege erreichbar – Gehzeit für Auf- und Abstieg beträgt ca. sechs bis sieben Stunden, etwa über den Königsweg von Ellmau aus in rund drei bis fünf Stunden Aufstieg.
by | Juli 20, 2026
Die Stadtresidenz Landshut genießt als spektakulärer, nach Norden versetzter italienischer Renaissancepalast hohen kunst- und architekturgeschichtlichen Rang. Sie gilt als erster Renaissancepalast, der auf deutschem Boden errichtet wurde, und stellt damit ein singuläres Baudenkmal in der Geschichte der europäischen Palastarchitektur dar.
Herzog Ludwig X. von Bayern, der als Mitregent seines in München residierenden Bruders auf der Burg Trausnitz wohnte, ließ 1536 den Grundstein zum Neubau einer Residenz in der Stadt legen. Unter der Leitung des Augsburger Baumeisters Bernhard Zwitzel entstand zunächst der sogenannte Deutsche Bau im Stil der deutschen Renaissance. Auf einer Reise nach Oberitalien lernte der Herzog anschließend die modernen Residenzen italienischer Fürsten kennen – besonders der von Giulio Romano erbaute Palazzo Te des Herzogs von Mantua motivierte und prägte seine weiteren Pläne.
Ab 1537 entstand hinter dem Deutschen Bau unter Leitung italienischer Baumeister ein zweiter Palazzo, der Italienische Bau, der schließlich durch Flügelbauten mit dem Deutschen Bau verbunden wurde. Das Ergebnis ist eine großzügige Residenzanlage, die bis heute einen der schönsten Innenhöfe italienischer Prägung nördlich der Alpen umschließt. Die gesamte Anlage war 1543 fertiggestellt.
Im Inneren wurden die hohen Gewölbesäle durch italienische Stuckateure ausgestaltet. Die Maler Herman Posthumus, Hans Bocksberger d. Ä. und Ludwig Refinger schufen bedeutende Bilderzyklen zu biblischen, mythologischen und historischen Themen. Die Renaissance-Deckenmalerei mit einem humanistisch geprägten Bildprogramm ist weitgehend erhalten geblieben.
Veränderungen erfuhr die Stadtresidenz, als sie zwischen 1780 und 1799 als Hofhaltung des Pfalzgrafen Wilhelm von Birkenfeld-Gelnhausen diente. Damals erhielt die Fassade zur Altstadt ihr klassizistisches Aussehen, das sie bis heute prägt. Von dieser Epoche zeugen auch die Wohnräume des Pfalzgrafen im Deutschen Bau – die sogenannten Birkenfeldzimmer. Bei der Restaurierung der Raumflucht zwischen 1993 und 2003 entdeckte man klassizistische französische Papiertapeten, die um 1803 angebracht wurden, als Kurprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I. von Bayern, zum Studium in Landshut die Birkenfeldzimmer bezog. Freigelegt zählen sie heute zu den seltenen Zeugnissen der frühen Tapetenkunst.
Im Rahmen geführter Rundgänge der Bayerischen Schlösserverwaltung waren die Säle des Italienischen Baus, die Residenzkapelle und die Birkenfeldzimmer zugänglich. Aufgrund laufender Baumaßnahmen ist die Stadtresidenz Landshut derzeit bis auf Weiteres für den Besucherverkehr geschlossen. Auch der Innenhof steht voraussichtlich bis Ende 2026 nicht für Veranstaltungen zur Verfügung.
by | Juli 20, 2026
Die Fürstäbtliche Residenz Kempten zählt zu den bedeutendsten Barockensembles im deutschsprachigen Raum. Bereits um das Jahr 750 gründeten Benediktinermönche an dieser Stelle ihr Stift, das über Jahrhunderte zu Wohlstand und Einfluss gelangte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster 1632 durch schwedische Truppen niedergebrannt und weitgehend zerstört. Fürstabt Roman Giel von Gielsberg ließ daraufhin ab 1651 Kirche und Residenzgebäude in gewaltiger Größe neu errichten – eine Demonstration fürstlicher Macht und des Wiederaufbauwillens nach jahrzehntelangem Chaos.
Als erster Baumeister des ehrgeizigen Projekts wirkte der Vorarlberger Michael Beer. Nachdem er Ende 1653 aus dem Dienst schied, stand bereits der Westflügel der Residenz, und die Fundamente der übrigen Trakte waren gelegt. Im Frühjahr 1654 trat der Graubündner Johann Serro Beers Nachfolge an. Mit einem Sakristeianbau verband er Kirche und Residenz architektonisch und schloss den Hauptbau 1670 ab. Gleichzeitig entstand die Stifts- und Pfarrkirche St. Lorenz, die baulich mit der Residenz verbunden ist und das Ensemble bis heute prägt.
Der zweite große Entwicklungsschub betraf die Innenausstattung: Von 1732 bis 1742 ließ der kunstsinnige Fürstabt Anselm von Reichlin-Meldegg die fürstäbtlichen Wohnräume im Südflügel mit einem Aufgebot erstklassiger Künstler ausstatten. Der Maler Franz Georg Hermann und der Bildhauer Aegid Verhelst gehörten zu den Beauftragten. Die Wohnräume – Vorzimmer, Audienzzimmer, Tag- und Schlafzimmer sowie Gästezimmer – sind dem späten Régencestil zuzuordnen, dem Übergangsstil zwischen Spätbarock und Rokoko. Kräftige, warme Farbigkeit und meisterhafter Stuck von Johann Georg Üblher verleihen ihnen einen Eindruck von Wohnlichkeit und Heiterkeit.
Den krönenden Abschluss bildete der Thronsaal, der von 1740 bis 1742 nach Entwürfen von Dominikus Zimmermann ausgestattet wurde und als einer der Höhepunkte des bayerischen Rokokos gilt. Das gesamte Tonnengewölbe wird von einem Deckenbild Franz Georg Hermanns überzogen, das die Verherrlichung des Fürstenstifts und seine Geschichte zum Thema hat. Das Einzigartige der Räume liegt in der Kombination sakraler Architektur- und Dekorationselemente mit fürstlichem Wohnkomfort.
Die Residenz besitzt einen rechteckigen Grundriss mit zwei Innenhöfen; an den Ecken befinden sich Türme mit offenen Laternen. Nördlich der Anlage erstreckt sich eine terrassierte Gartenanlage, an deren Ende die Orangerie steht, die heute als Stadtbibliothek genutzt wird. Der Residenzhof dient als Kulisse für kulturelle Veranstaltungen. Seit dem Frühjahr 2018 sind die Prunkräume der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen zugänglich; Tickets sind ausschließlich vor Ort erhältlich. Ein Aufzug ermöglicht den barrierefreien Zugang zu den Prunkräumen. Um den historischen Parkettboden zu schützen, ist das Durchwandern der Räume nur mit bereitgestellten Filzpantoffeln gestattet.
by | Juli 20, 2026
Eindrucksvoll auf einem Jurafelsen über der Donau gelegen, zählt das Residenzschloss Neuburg zu den bedeutendsten Renaissancebauten Bayerns. Als Hauptresidenz des 1505 im Zuge der Erbstreitigkeiten zwischen den pfälzischen und bayerischen Wittelsbachern gegründeten Fürstentums Pfalz-Neuburg prägte das Schloss über Jahrhunderte die Geschichte der Region und weit darüber hinaus.
Pfalzgraf Ottheinrich (1502–1559), erster Landesfürst und späterer Kurfürst von der Pfalz, ließ ab 1530 drei anspruchsvolle Renaissancetrakte errichten. Unter seiner Herrschaft war Neuburg Schauplatz der Künste und Wiege der Reformation in dieser Region. Wenige Jahre später, zwischen 1560 und 1562, beauftragte Pfalzgraf Wolfgang den niederländischen Meister Hans Schroer mit der Dekoration der Hoffassade: Die in Sgraffito-Technik ausgeführten biblischen Szenen zählen bis heute zu den herausragenden Besonderheiten des Schlosses. Den Abschluss der Baugeschichte bildete Pfalzgraf Philipp Wilhelm, der 1664 bis 1668 den mächtigen barocken Ostflügel zwischen zwei Rundtürmen sowie die Schlossgrotten errichten ließ – damit wurde Neuburg zu einer der ersten Barockresidenzen überhaupt.
Die Schlosskapelle, 1543 von Hans Bocksberger mit Renaissancefresken ausgemalt, gilt als frühester protestantischer Kirchenraum Deutschlands und wird mitunter als ‚Sixtina des Nordens‘ bezeichnet. Der doppelgeschossige Sakralbau ist ein einzigartiges Dokument der Reformationsgeschichte.
Im Hauptgeschoss des barocken Ostflügels entfaltet sich das Schlossmuseum mit rund 550 Kunstwerken: Porträts, wertvolle Bildteppiche, Waffen, Möbel und kostbares Kunsthandwerk illustrieren das politische und kulturelle Leben des Fürstentums. Besonders kostbar sind die kirchlichen Textilien aus dem Neuburger Ursulinenkloster – prächtige Ornate und Altar-Antependien, die im 18. Jahrhundert von den Ursulinerinnen in Seide, Silber und Gold gestickt wurden. Kirchliche Kunstwerke aus der Epoche der Gegenreformation und religiöse Volkskunst ergänzen die Präsentation im dritten Obergeschoss.
Der Westflügel beherbergt die Staatsgalerie Neuburg – Flämische Barockmalerei, ein Zweigmuseum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit rund 160 Werken bedeutender Meister wie Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und Jan Brueghel. Das Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten bis auf Weiteres geschlossen.
Für Besucher steht ein kostenloser, webbasierter Audioguide zur Verfügung (eigenes Smartphone und Kopfhörer erforderlich). Von April bis Oktober bietet die Stadt Neuburg in der Regel an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat öffentliche Schlosstourführungen an. Darüber hinaus können Gruppenführungen, Kinderführungen und Themenführungen individuell gebucht werden. Für Familien mit Kindern gibt es das Entdecker-Heft ‚Tierisch gut!‘, das auch vor Ort erhältlich ist. Das Schloss eignet sich außerdem als Veranstaltungsort für Konzerte, Empfänge, Tagungen und Trauungen im Freien auf der Schlossterrasse.