



Königshaus am Schachen
Über dieses Ausflugsziel
Das Königshaus am Schachen zählt zu den ungewöhnlichsten Bauten König Ludwigs II. von Bayern. Seit 1869 plante der König im Werdenfelser Land ein Berghaus zu errichten, und seine Wahl fiel auf den Schachen am Fuß des Wettersteinmassivs in 1.866 Metern Höhe – eine der grandiosesten Hochgebirgslagen der bayerischen Alpen. Anders als bei seinem Vater Max II. war das Gebäude nicht für die Jagd bestimmt, die Ludwig II. strikt ablehnte. Vielmehr sollte es dem König dazu dienen, das Hochgebirge mit allem Komfort genießen zu können.
Der Bau entstand zwischen 1869 und 1872 nach Plänen des Architekten Georg von Dollmann als zweigeschossiger Holzständerbau im Typus des sogenannten Schweizerhauses – eine Bauform, die im 19. Jahrhundert bei Adel und wohlhabenden Bürgern als Ferienhaus beliebt war. Mit hölzernen Fensterläden und kunstgesägten Balkongeländern wirkt das Königshaus von außen bescheiden. Die Raumaufteilung mit einem zentralen Salon orientiert sich am Grundriss großbürgerlicher französischer Villen dieser Zeit. Im Erdgeschoss befinden sich Speisezimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Kapelle – allesamt zirbenholzgetäfelt und komfortabel ausgestattet.
Den eigentlichen Höhepunkt des Hauses bildet der Türkische Saal im Obergeschoss, der die gesamte Etage einnimmt. Dieser Prunkraum ist einem historischen Saal im Palast von Eyüp nachempfunden, den Sultan Selim III. Ende des 18. Jahrhunderts hatte einrichten lassen. Eine Abbildung des Saals hatte Ludwig II., der sich ausgiebig mit den Kulturen des Orients beschäftigte, in einer englischen Publikation von 1840 gefunden. Vergoldete, reich ornamentierte Wände, ein zentraler Springbrunnen, aufwendig bestickte Hocker und Divane, kostbare Teppiche sowie Buntglasfenster fügen sich zu einem eindrucksvollen Abbild eines orientalischen Prunksaals. Um den Raumeindruck zu vervollkommnen, ließ Ludwig II. Diener in orientalischer Kleidung im Saal platzieren, die Wasserpfeife rauchen und Tee trinken mussten – eine Inszenierung aus der Tradition der sogenannten Lebenden Bilder.
Den Geburts- und Namenstag am 25. August feierte Ludwig II. hier alljährlich in der Abgeschiedenheit der Bergwelt. Die Lage mitten im Hochgebirge macht den Türkischen Saal zu einem einzigartigen Zeugnis der romantisierenden Orientbegeisterung des 19. Jahrhunderts. Unterhalb des Königshauses befindet sich ein botanischer Alpengarten mit rund 1.000 Pflanzenarten aus Bergregionen der ganzen Welt, der als Außenstelle des Botanischen Gartens München-Nymphenburg geführt wird.
Seit 2025 gehört das Königshaus am Schachen gemeinsam mit Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee zum UNESCO-Welterbe. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Verwaltet wird es von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Besichtigungen sind ausschließlich im Rahmen von Führungen möglich. Das Königshaus ist nur zu Fuß über mehrstündige Wanderwege erreichbar – Gehzeit für Auf- und Abstieg beträgt ca. sechs bis sieben Stunden, etwa über den Königsweg von Ellmau aus in rund drei bis fünf Stunden Aufstieg.
Öffnungszeiten
| Mo–So Heute | 09:00–17:00 Uhr Besichtigung nur mit Führung; Führungen zu jeder vollen Stunde, max. 30 Personen |
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