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Schluchten und Klammen in Österreich – der ultimative Sommer-Hike-Guide

Schluchten und Klammen in Österreich – der ultimative Sommer-Hike-Guide

Von der Liechtensteinklamm bis zu den Ötschergräben: Österreichs spektakulärste Schluchten und Klammen als kühle Hitze-Flucht im Sommer – mit Wanderzeit, Schwierigkeit und Familien-Tipps.

Wenn im Hochsommer die Temperaturen im Tal über 30 Grad klettern und der Asphalt flimmert, gibt es in Österreich einen geologischen Geheimtipp: Schluchten und Klammen sind oft 8 bis 12 Grad kühler als das umliegende Tal – natürliche Klima-Anlagen mit dramatischer Kulisse. Auf Holzstegen, Galerien und Hängebrücken geht es mitten hinein in Felsspalten, die sich seit der Eiszeit Meter um Meter ins Gestein gefressen haben. Wir haben die 15 spektakulärsten Klammen und Schluchten Österreichs in fünf Charakter-Cluster sortiert – von der weltbekannten Liechtensteinklamm bis zum Vorarlberger Geheimtipp Rappenlochschlucht.

📍 Das findest du in diesem Guide

15 ausgewählte Schluchten und Klammen in fünf Charakter-Clustern – mit Länge, Wanderdauer, Schwierigkeit und Saison
Die besten Klammen für heiße Sommertage – wo es im Hochsommer angenehm kühl bleibt
Familien-Tipps – welche Klammen sind kinderwagentauglich, welche brauchen Schwindelfreiheit
Vier Routen-Vorschläge – wie du Klammen mit Bergseen, Burgen und Wasserfällen kombinierst
Praktische Hinweise – Öffnungszeiten, Eintritt, Sperrungen bei Starkregen
Sicherheits-Basics – worauf du beim Klamm-Wandern unbedingt achten musst

Was eine gute Klammen-Wanderung ausmacht

Österreich ist Klammen-Weltmacht. Die Alpenfaltung in Kombination mit Gletscher-Schmelzwasser hat über Millionen Jahre hunderte Schluchten in den Fels gefräst – und seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurden viele davon mit Holzstegen, Eisengalerien und Aussichtsplattformen erschlossen. Heute sind Klammen-Wanderungen ein eigenständiges Tiroler, Salzburger und Steirisches Tourismus-Genre.

Was unterscheidet eine spektakuläre Klamm von einem austauschbaren Flussbett-Wanderweg? Vier Faktoren:

Höhenunterschied der Felswände: Je tiefer und enger die Klamm, desto eindrucksvoller. Spitzenreiter: Liechtensteinklamm mit 300 m Tiefe
Begehbarkeit: Holzstege, Galerien, Hängebrücken machen den Unterschied zwischen „ferner Anblick“ und „mitten im Spektakel“
Wasserführung: Schneeschmelze (Mai/Juni) und Starkregen-Phasen maximieren den Druck – im Hochsommer-Trockenphasen reduzierter Eindruck
Temperatur-Differenz: Gute Klammen sind im Hochsommer 8-12°C kühler als das Tal – natürliche Klima-Anlage

Wir haben die 15 schönsten Klammen Österreichs nach Charakter sortiert – nicht nach Bundesländern. So findest du leichter die Klamm, die zu dir passt: spektakulär für den Wow-Effekt, familientauglich für den Sonntagsausflug, wild für die Adrenalin-Variante, oder geheim für die Stille abseits der Massen.

Cluster 1: Die Spektakulären – Österreichs vier Klammen-Klassiker

Die Top-Klammen Österreichs mit maximaler Wow-Wirkung: tiefe Felsspalten, lange Wegstrecken, spektakuläre Erschließung. Tagesausflug-tauglich, in jedem Reiseführer drin, in der Hochsaison aber stark frequentiert.

Liechtensteinklamm in St. Johann im Pongau – Österreichs spektakulärste Klamm
Die Liechtensteinklamm in St. Johann im Pongau – 4 km lang, bis 300 m tief, mit über 30 Wasserfällen und der spiralförmigen „Helix“-Aussichtsplattform am Ende. Mehr erfahren →

1. Liechtensteinklamm, Salzburg

Die Liechtensteinklamm bei St. Johann im Pongau ist Österreichs spektakulärste Klamm überhaupt – über 4 km lang, bis 300 m tief, mit mehr als 30 Wasserfällen entlang der Wegstrecke. Benannt nach Fürst Johann II. von Liechtenstein, der die Erschließung 1875 finanziert hat. Seit 2020 ergänzt durch die spiralförmige „Helix“-Aussichtsplattform am Ende der Klamm – ein begehbares Architektur-Highlight.

Länge: 4 km gesamter Weg, davon 1 km durch die spektakuläre enge Klamm
Tiefe: bis 300 m Felswände
Wanderdauer: 1,5-2 Stunden für die ganze Klamm
Schwierigkeit: leicht (gut ausgebaute Stege und Galerien)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Mai/Juni (Hochwasser durch Schneeschmelze), September (weniger Besucher)

Insider-Tipp: Im Juli/August kommen täglich tausende Besucher – sehr früh morgens (ab 8 Uhr) oder am späten Nachmittag (ab 16 Uhr) ist es deutlich ruhiger. Bei Starkregen wird die Klamm aus Sicherheitsgründen kurzfristig gesperrt – vorher anrufen oder Webcam checken.

2. Leutascher Geisterklamm, Tirol

Die Leutascher Geisterklamm zwischen Mittenwald (Bayern) und Leutasch (Tirol) im Wetterstein-Gebirge ist eine der spektakulärsten Klammen der Ostalpen – bis 75 m tief, mit drei Hauptwegvarianten über Stege und Aussichtsplattformen. Der berühmte „Klammgeist-Themenweg“ ist als Familien-Erlebnispfad ausgebaut mit Klangstationen und Holz-Skulpturen entlang des Wegs. Eine grenzüberschreitende Wanderung mit Mittenwalder Anbindung möglich.

Länge: 3 verschiedene Rundwege zwischen 1,5 und 3,5 Stunden
Tiefe: bis 75 m Felswände
Wanderdauer: 1,5-3,5 Stunden je nach Route
Schwierigkeit: leicht bis mittel (Familien-Erlebnispfad)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Juni-September, im Winter wegen Vereisung gesperrt

Insider-Tipp: Die Panoramabrücke mitten in der Klamm ist Foto-Highlight – aber Vorsicht bei Höhenangst. Mit kleineren Kindern den kürzesten Rundweg wählen, den Klangwald-Themenweg auf der Mittenwalder Seite kann man auch in 60 Minuten absolvieren.

3. Rappenlochschlucht, Vorarlberg

Die Rappenlochschlucht bei Dornbirn ist Vorarlbergs spektakulärste Klamm und eine der größten Schluchten Mitteleuropas. Auf Eisengalerien geht es 600 m durch die enge Felsspalte der Dornbirner Ach, mit Wasserfällen und der berühmten Hängebrücke am Ende. Erschlossen seit dem 19. Jahrhundert (1898 erstmals begehbar gemacht). Im Verbund mit der angrenzenden Alplochschlucht und dem oberen Staufensee ein vollständiges Tagesprogramm.

Länge: 600 m Schluchtweg, mit Alplochschlucht Verlängerung auf 2 km
Tiefe: bis 200 m Felswände
Wanderdauer: 1-2 Stunden (mit Alplochschlucht 3-4 Stunden)
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Eintritt: frei zugänglich (Spende empfohlen)
Beste Saison: Mai-Oktober, im Winter wegen Eisschlag-Gefahr meist gesperrt

Insider-Tipp: Achtung – nach dem Bergrutsch 2011 wurde die Schlucht teilweise gesperrt und ist seit 2014 wieder schrittweise zugänglich. Aktuellen Status vor Anreise auf der Dornbirn-Tourismus-Seite prüfen. Die Verbindung mit dem Karren-Plateau (Vorarlbergs Hausberg über Dornbirn) ist eine spektakuläre Tageskombination.

4. Kitzlochklamm, Salzburg

Die Kitzlochklamm bei Taxenbach im Pinzgau ist eine der ältesten erschlossenen Klammen Österreichs (begehbar seit 1886). 700 m durch die wildromantische Schlucht der Rauriser Ache, mit dem 60 m hohen Kitzlochfall als Höhepunkt und der berühmten „Geist-der-Klamm“-Höhle im Mittelabschnitt. Geringerer Touristenstrom als die Liechtensteinklamm bei vergleichbarer Dramatik.

Länge: 700 m Schluchtweg
Tiefe: bis 80 m Felswände
Wanderdauer: 1,5-2 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Mai-Juni (Hochwasser), September-Oktober (Herbstfarben)

Insider-Tipp: Kombiniere mit den Salzwelten Hallein oder dem nahen Zell am See als Tagesprogramm. Die Klamm-Eingangshütte hat eine eigene Küche mit Pinzgauer Spezialitäten (Kasnocken, Speckknödel).

Cluster 2: Familien-Klassiker – Klammen für den Sonntagsausflug

Diese vier Klammen sind die perfekten Familien-Klammen: kurze Wegstrecken, gute Erschließung, oft mit Bergsee oder Spielplatz am Ende, und vor allem: ohne Schwindelfreiheits-Anforderung. Ideal für Kinder ab 5-6 Jahren.

Sigmund-Thun-Klamm in Kaprun – Familienklassiker mit historischen Holzstegen
Die Sigmund-Thun-Klamm bei Kaprun – seit 1893 mit Holzstegen erschlossen, ideal für Familien mit Kindern ab 5 Jahren. Mehr erfahren →

5. Sigmund-Thun-Klamm, Salzburg

Die Sigmund-Thun-Klamm bei Kaprun im Pinzgau ist eine 320 m lange, 32 m tiefe Felsspalte – durchwandert auf Holzstegen, die schon 1893 vom Salzburger Alpenverein gebaut wurden (eines der ältesten erschlossenen Klamm-Wegnetze Österreichs). Eingang in die wilde Bergwelt der Hohen Tauern und idealer Auftakt für einen Kaprun-Tag mit Kitzsteinhorn-Gletscher.

Länge: 320 m Schluchtweg
Tiefe: bis 32 m Felswände
Wanderdauer: 30-45 Minuten Rundweg
Schwierigkeit: leicht (gut ausgebaute Holzstege)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Juni-September

Insider-Tipp: Direkt am Klammausgang liegt der Klammsee mit Tretboot-Verleih – ideale Familienkombination. Kombinier mit der Kapruner Kitzsteinhorn-Bahn (ganzjähriger Gletscher) für einen perfekten Pinzgau-Tag.

6. Strubklamm, Salzburg

Die Strubklamm am Fuschlsee im Salzkammergut ist eine der schönsten Familien-Klammen Österreichs – etwa 800 m durch eine bewaldete Schlucht des Fuschler Achwassers, mit Holzstegen, kleinen Wasserfällen und einer naturbelassenen Atmosphäre. Anders als die kommerzialisierten Klammen ist die Strubklamm frei zugänglich und nicht stark touristisch frequentiert.

Länge: ca. 800 m Schluchtweg
Wanderdauer: 1-1,5 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: leicht (kinderwagentauglich an einigen Stellen)
Eintritt: frei
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Verlängere zum Fuschlsee (15 Min Auto) für ein Sommer-Badevergnügen oder zur Schober-Mühle für eine klassische Salzkammergut-Einkehr. Sehr fotogene Schlucht mit moosbedeckten Felsen.

7. Wolfsklamm, Tirol

Die Wolfsklamm bei Stans im Karwendel ist eine spektakuläre 354-Stufen-Klamm – über Holzstege und Eisentreppen geht es 1 km durch die enge Schlucht des Stallenbachs hinauf zum Wallfahrtsort St. Georgenberg. Bekannt seit 1859, durchgehend gut erschlossen, mit dem Charakter einer „Pilger-Klamm“ – am oberen Ende der Klamm liegt eine 1.200 Jahre alte Wallfahrtskirche auf einem Felsklippen.

Länge: 1 km Schluchtweg + Anstieg zur Wallfahrtskirche
Höhenmeter: 350 hm Anstieg über 354 Holzstufen
Wanderdauer: 1,5-2 Stunden hinauf, 1 Stunde retour
Schwierigkeit: mittel (Konditionsaufgabe, Schwindelfreiheit empfohlen)
Eintritt: kostenpflichtig (kleiner Beitrag, Saisonbetrieb)
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Die Wallfahrtskirche St. Georgenberg ist Bewirtschaftet – Einkehr in der Klosterstube mit Tiroler Spezialitäten und Klostercafé. Mit Kindern: ein klassisches Karwendel-Tageserlebnis, aber mindestens ab 6 Jahren wegen Treppen.

8. Tscheppaschlucht, Kärnten

Die Tscheppaschlucht bei Ferlach – an der Slowenien-Grenze in den Karawanken – ist Kärntens schönste Klamm und steht seit 1959 unter Naturschutz. Über mehrere Stege, Brücken und die berühmte „Teufelsbrücke“ durchwandert man die Schlucht des Loiblbachs mit dem 26 m hohen Tschauko-Wasserfall als Höhepunkt. Anders als andere Klammen mit eher trockener Schluchten-Charakteristik, hat die Tscheppa eine sehr feuchte, fast tropisch wirkende Vegetation.

Länge: 1,4 km Schluchtweg
Wanderdauer: 1,5-2 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: leicht bis mittel (Stege, einige Stufen)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb)
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Anschließend nach Slowenien zum Loibl-Pass für die Aussicht oder zurück nach Klagenfurt – mit dem Wörthersee als Abschluss. Familienfreundlich, aber Kinderwagen-untauglich wegen Treppen.

Cluster 3: Wilde Bergspalten – Klammen mit Klettersteig-Charakter

Diese vier Klammen sind nicht für Familien mit Kleinkindern – Schwindelfreiheit ist Pflicht, Trittsicherheit erforderlich. Dafür gehören sie zu den spektakulärsten Bergerlebnissen Österreichs.

9. Steinwandklamm, Niederösterreich

Die Steinwandklamm bei Furth an der Triesting ist Niederösterreichs spektakulärste Klamm – mit Riesentor (einem natürlichen Felsbogen), Aussichtsfelsen, der „Tropfsteinhöhle“ und einem 60 m hohen Wasserfall. Erschlossen über Eisentreppen und schmale Felssteige, mit deutlichem Klettersteig-Charakter. Anders als die alpinen Klammen – hier geht es eher horizontal durch Voralpen-Karstgestein.

Länge: ca. 1 km Schluchtweg
Wanderdauer: 2-2,5 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: mittel bis schwer (Eisentreppen, Höhenangst-Test)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb)
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Nicht kinderwagentauglich! Schwindelfreiheit erforderlich – die Eisentreppen führen direkt am Abgrund vorbei. Aber: spektakulär für ältere Kinder ab 8 Jahren. Eine der Niederösterreich-Klassiker ab Wien (knapp 1 Stunde Anfahrt).

10. Galitzenklamm, Tirol

Die Galitzenklamm bei Lienz in Osttirol ist eine der wildesten Klammen Österreichs – mit Klettersteig-Routen, Wasserfall-Klettersteigen und einem eigenen Familienpark mit Hochseilgarten. Über mehrere Brücken und Stege durch die enge Felsspalte der Drau-Galitzenbach. Eine Mischung aus klassischer Klammen-Wanderung und Abenteuer-Park.

Länge: 800 m Schluchtweg + 4 verschiedene Klettersteig-Routen
Wanderdauer: 1-2 Stunden Rundweg, Klettersteige zusätzlich
Schwierigkeit: leicht (Wanderweg) bis sehr schwer (Klettersteige bis D)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb)
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Für Klettersteig-Einsteiger ideal – Klettersteig-Set-Verleih und Anfänger-Routen direkt vor Ort. Hochseilgarten und Slacklining ergänzen das Programm. Im Verbund mit dem nahen Tristacher See ein Familien-Tagesprogramm.

11. Gilfenklamm, Tirol

Die Gilfenklamm bei Sterzing in Südtirol (italienisches Tirol, sprachlich noch österreichisch dominiert) ist die einzige Marmor-Klamm Europas – das Wasser hat sich über Jahrtausende durch reinen weißen Marmor gefressen. Erschlossen seit 1899 mit eisernen Stegen und Galerien direkt durch die weißen Felswände. Optisch einzigartig – wie ein griechischer Tempel aus Wasser und Stein.

Länge: ca. 2 km Schluchtweg
Wanderdauer: 1,5-2 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: mittel (Stege, Treppen, Schwindelfreiheit empfohlen)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Juni-September

Hinweis: Liegt knapp jenseits der österreichischen Grenze in Südtirol (10 km südlich des Brennerpass) – für Nord- und Osttiroler Tagesausflug-Distanz. Im Verbund mit dem Sterzinger Adventmarkt im Dezember oder dem mittelalterlichen Sterzing-Stadtkern als ganztägiges Programm.

12. Vorderkaserklamm, Salzburg

Die Vorderkaserklamm bei Weißbach im Pinzgau gehört zu den spektakulärsten und gleichzeitig wenig bekannten Klammen Österreichs – mit fast 1 km Länge, bis 80 m tief, durchwandert auf Holzstegen und mehreren Hängebrücken. Im Vergleich zur Liechtensteinklamm deutlich weniger besucht, dafür mit ebenso dramatischer Felsspalten-Optik.

Länge: 1 km Schluchtweg
Tiefe: bis 80 m Felswände
Wanderdauer: 1-1,5 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: mittel (Schwindelfreiheit empfohlen)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Mai-September

Insider-Tipp: Weniger touristisch als die Liechtensteinklamm bei vergleichbarer Dramatik – ein echter Pinzgauer Geheimtipp. Kombination mit dem nahen Hintersee oder den Naturparkfreunden Weißbach möglich.

Cluster 4: Großcanyon-Charakter – Österreichs „Grand Canyons“

Diese drei Schluchten sind eher Tageswanderungen – mit Schluchten-Systemen über mehrere Kilometer, oft mit Übernachtungs-Option auf Berghütten. Wer einen ganzen Tag in dramatischer Natur verbringen will, ist hier richtig.

13. Ötschergräben, Niederösterreich

Die Ötschergräben werden oft als „Grand Canyon Niederösterreichs“ bezeichnet – ein 7 km langes Schluchtensystem mit dem Erlauf-Fluss, mehreren Wasserfällen (darunter dem 96 m hohen Mirafall) und spektakulären Felswänden. Eines der wildesten Stücke Natur in Niederösterreich, im Naturpark Ötscher-Tormäuer.

Länge: 7 km Schluchtensystem, mehrere Routen möglich
Wanderdauer: 4-7 Stunden je nach Route
Schwierigkeit: mittel bis schwer (Tagestour, Bergerfahrung empfohlen)
Eintritt: frei
Beste Saison: Mai-Oktober

Insider-Tipp: Eine Mehrtagestour wird unvergesslich – Übernachtung im Ötscherbasis-Wirtshaus (Bergsteigerunterkunft im Inneren der Gräben). Anreise mit der Mariazellerbahn (historische Schmalspurbahn ab St. Pölten). Im Hochsommer angenehm kühl, im Spätherbst Foto-Klassiker mit Lärchen-Goldrand.

14. Wasserlochklamm, Steiermark

Die Wasserlochklamm bei Palfau im steirischen Ennstal ist die spektakulärste Klamm der Steiermark – 800 m durch die enge Felsspalte der Salza, mit fünf großen Wasserfällen (bis 70 m hoch) und einer Aussichtsplattform mitten in der Klamm. Erschlossen über Eisenstege und Galerien, mit Klettersteig-Charakter in einigen Passagen.

Länge: 800 m Schluchtweg
Höhenmeter: 250 hm Anstieg
Wanderdauer: 2-2,5 Stunden Rundweg
Schwierigkeit: mittel (Trittsicherheit erforderlich)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Juni-September

Insider-Tipp: Kombiniere mit Salza-Rafting (eines der bekanntesten Wildwasser-Reviere Österreichs) für einen kompletten Salza-Tag. Bei Starkregen wird die Klamm wegen Felssturzgefahr gesperrt.

15. Bärenschützklamm, Steiermark

Die Bärenschützklamm bei Mixnitz nahe Graz ist eine traditionsreiche steirische Klamm – seit 1901 erschlossen, mit 164 Holzleitern und Treppen, die direkt durch die Felsspalte führen. Über 350 Höhenmeter geht es entlang von 15 Wasserfällen hinauf, eine echte Konditionsherausforderung mit Bergsteiger-Charakter.

Länge: 1,5 km Schluchtweg
Höhenmeter: 350 hm über 164 Holzleitern
Wanderdauer: 2,5-3 Stunden hinauf, 1,5 retour
Schwierigkeit: schwer (Schwindelfreiheit + Trittsicherheit erforderlich)
Eintritt: kostenpflichtig (Saisonbetrieb Mai-Oktober)
Beste Saison: Juni-September

Insider-Tipp: Eine der anspruchsvollsten Klamm-Wanderungen Österreichs! Nicht für Familien mit kleineren Kindern. Am oberen Ende der Klamm liegt die Schüsserlbrunn-Wallfahrtsstätte mit Aussicht und Bewirtung. Mit der S-Bahn von Graz nach Mixnitz erreichbar (ÖV-tauglich).

Wann ist die beste Zeit für eine Klammen-Wanderung?

Anders als Wasserfälle haben Klammen einen kürzeren saisonalen Korridor. Hier die wichtigsten Saison-Fenster:

ZeitfensterStatusStimmung & Tipps
MaiÖffnung der SaisonbetriebeHochwasser durch Schneeschmelze, Klammen „tosen“. Aber: einige noch geschlossen wegen Schnee/Eis. Saisonstart prüfen.
JuniHauptsaison-BeginnBeste Wasserführung, alle Klammen offen, noch wenig Touristenmassen. Optimal.
Juli–AugustHauptsaisonSehr voll bei kommerziellen Klammen (Liechtensteinklamm). Für Hitze-Flucht ideal – Klammen 8-12°C kühler als das Tal!
SeptemberBeste KombiStabile Wettern, weniger Touristen, ausreichend Wasserführung. Beste Foto-Saison.
OktoberSaison-EndeLärchen-Goldrand, Foto-Klassiker, aber kurze Tage. Manche Klammen schließen Mitte Oktober.
November–AprilGeschlossenFast alle Klammen wegen Vereisung gesperrt. Vereiste Wasserfälle und Klammen aus der Ferne als Foto-Highlight, aber NICHT betreten!

💡 Hitze-Hack: Wenn im Tal 32°C herrschen, ist es in der Liechtensteinklamm typisch 20-22°C – eine natürliche Klima-Anlage. Klammen sind der ideale Sommerausflug an Tagen mit Hitzewarnung. Aber: Im Klamm-Schatten oft feucht und windig – eine leichte Jacke immer mitnehmen.

Sicherheits-Basics für Klamm-Wanderungen

Klammen sind grundsätzlich gut erschlossen, aber nicht ohne Risiken. Die wichtigsten Sicherheitshinweise:

1. Feste Schuhe sind Pflicht. Holzstege und Felssteige werden im Sprühnebel rutschig. Sandalen oder Turnschuhe sind ungeeignet.
2. Bei Starkregen oder Gewitter NICHT betreten. Klammen sind die schlimmstmögliche Wetter-Falle – Steinschlag, Sturzfluten, Felsbruch. Bei Wetterwechsel umkehren.
3. Auf Wegsperrungen achten. Klammen werden bei kritischer Wasserführung kurzfristig gesperrt – Webcams und Tourismus-Hotlines checken.
4. Kindern nicht alleine vorauslaufen lassen. Stege sind oft schmal und feucht – Hand halten ist Pflicht.
5. Mindestens 1 Liter Wasser pro Person. Klammen sind feucht, aber das Wasser ist NICHT trinkbar – immer eigenes Trinkwasser mitführen.
6. Wertgegenstände wasserdicht verpacken. Sprühnebel ist im Hochwasser oft stark – Kamera/Handy in Plastik-Tüte.

Vier Routen-Vorschläge: Klammen clever kombinieren

Mit dem Tagesplaner kannst du deine Lieblings-Klammen zu einer Tour kombinieren. Hier vier bewährte Tagesausflüge:

Pongauer Klammen-Klassik-Tour (Tagesausflug)

Vormittags: Liechtensteinklamm St. Johann im Pongau (Hauptattraktion, 1,5-2 Stunden) → mittags: Einkehr in St. Johann → nachmittags: Vorderkaserklamm bei Weißbach (1 Stunde) ODER Kitzlochklamm bei Taxenbach (1,5 Stunden). Charakter: Zwei spektakuläre Klammen an einem Tag. Ideale Saison: Mai–Oktober.

Karwendel-Familien-Tag (Tagesausflug)

Vormittags: Wolfsklamm Anstieg zur Wallfahrtskirche St. Georgenberg → mittags: Einkehr in der Klosterstube → nachmittags: Achensee-Schifffahrt oder Bade-Aufenthalt. Charakter: Klamm + See, ÖV-tauglich. Ideale Saison: Mai–Oktober.

NÖ-Klammen-Adrenalin-Tour (Tagesausflug ab Wien)

Steinwandklamm bei Furth (2,5 Stunden, fordernd) → mittags: Einkehr in Furth oder Pottenstein → nachmittags: Myra Wasserfälle als entspannter Abschluss. Charakter: Klettersteig-Klamm + Familien-Wasserfall. Ideale Saison: Mai–Oktober.

Steirische-Klammen-Mehrtagestour (2-3 Tage)

Tag 1: Wasserlochklamm Palfau + Salza-Rafting → Übernachtung in Palfau → Tag 2: Anfahrt Mixnitz → Bärenschützklamm (anspruchsvoll, ganztägig) → Tag 3: Optional Ötschergräben als „Grand Canyon“-Abschluss. Charakter: drei spektakuläre Klammen, Konditions-Test. Ideale Saison: Juni–September.

Häufige Fragen

Welche Klamm ist die spektakulärste in Österreich?

Die Liechtensteinklamm in Salzburg gilt unangefochten als spektakulärste – 4 km lang, bis 300 m tief, mit über 30 Wasserfällen und der Helix-Aussichtsplattform. Für eine ähnliche Dramatik bei weniger Touristen: die Vorderkaserklamm bei Weißbach oder die Kitzlochklamm bei Taxenbach (beide ebenfalls in Salzburg).

Welche Klammen sind kinderwagentauglich?

Teilweise kinderwagentauglich (mit Geländekinderwagen): Strubklamm am Fuschlsee, der Eingangsbereich der Liechtensteinklamm. Nicht kinderwagentauglich sind alle anderen Klammen – wegen Treppen, Stufen oder schmalen Stegen. Mit kleineren Kindern (3-6 Jahre) eignen sich besonders: Sigmund-Thun-Klamm, Strubklamm, Leutascher Geisterklamm (kurze Wege).

Sind Hunde in Klammen erlaubt?

Bei den meisten kommerziellen Klammen: Ja, mit Leinenpflicht. Ausnahmen: Bärenschützklamm (wegen der Holzleitern nicht hundetauglich), Tscheppaschlucht (eingeschränkter Hund-Zutritt wegen Naturschutz). Bei großen Hunden Treppen-Tauglichkeit beachten – nicht alle Hunde mögen Eisengitter unter den Pfoten.

Welche Klammen sind ganzjährig geöffnet?

Praktisch keine. Fast alle Klammen haben Saisonbetrieb von Mai bis Oktober. Außerhalb dieser Zeit drohen Vereisung, Steinschlag und Felssturzgefahr. Vereinzelt sind Klammen bei mildem Winter länger offen (z.B. die Rappenlochschlucht), aber das ist die Ausnahme. NIEMALS gesperrte Klammen betreten – jährlich gibt es tödliche Unfälle durch Eisstürze.

Warum sind Klammen im Sommer so kühl?

Drei Effekte zusammen: Die hohen Felswände verhindern Sonneneinstrahlung (oft 80-90% Beschattung), das fließende kalte Gebirgswasser kühlt die Luft, und der Sprühnebel erzeugt Verdunstungskälte. Resultat: Klammen sind im Hochsommer typisch 8-12°C kühler als das umliegende Tal – eine natürliche Klima-Anlage. Idealer Ausflug an Hitzetagen.

Was kostet eine Klamm-Wanderung?

Frei zugängliche Klammen: Strubklamm, Ötschergräben, Rappenlochschlucht (Spende empfohlen). Kostenpflichtige Klammen: typisch 5-12 € pro Erwachsenen. Familien-Tarife meist 20-30 € für 2 Erwachsene + 2 Kinder. Klammen mit Klettersteigen (z.B. Galitzenklamm) extra mit Set-Verleih ab 10 €.

Welche Klamm hat den höchsten Wasserfall?

Die Ötschergräben in Niederösterreich mit dem Mirafall (96 m hoch). Innerhalb der Liechtensteinklamm fallen die Wassermassen über 30 Stufen ab. Der höchste freie Wasserfall in einer österreichischen Klamm ist allerdings nicht in einer typischen Klamm zu finden – sondern beim Stuibenfall in Tirol mit 159 m freiem Fall (siehe unser Wasserfall-Guide).

Was ist der Unterschied zwischen einer Klamm und einer Schlucht?

Geologisch gibt es keine scharfe Trennung. Die Begriffe werden in Österreich teilweise synonym verwendet. Faustregel: Eine Klamm ist meist eng, tief und vom fließenden Wasser geprägt (Wasserfälle direkt im Wegverlauf). Eine Schlucht ist oft breiter, mit Tal-Charakter und nicht so intensiv vom Wasser dominiert. Im alpinen Raum (Tirol, Salzburg) dominiert „Klamm“, im Voralpenraum (NÖ, OÖ) oft „Schlucht“ oder „Gräben“.

💚 Inspiration speichern: Markiere deine Lieblings-Klammen über das Herz-Symbol auf jeder Detailseite – sie landen automatisch in deiner Merkliste. Mit dem Tagesplaner kombinierst du sie zu einer Klammen-Tour.


Österreichs Klammen sind mehr als nur geologische Sehenswürdigkeiten – sie sind natürliche Klima-Anlagen, Adrenalin-Pfade und Geschichts-Routen in einem. Die meisten wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert von Tourismusvereinen erschlossen und haben damit eine eigene Erschließungs-Tradition, die in keinem anderen europäischen Land in dieser Dichte zu finden ist. Wir aktualisieren diesen Guide regelmäßig – wenn dir eine Klamm fehlt oder eine Information nicht stimmt, schreib uns.

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